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COME IN Weekly (KW 09)

Willkommen zurück bei COME IN Weekly! 
Ich hoffe, ihr habe die eisige Kälte bisher gut überstanden und habt euch keine Erkältung eingefangen.  😎

Kommen wir gleich zum ersten Thema für die dieswöchige Weekly:

Bekanntlich macht der Mai alles neue. So auch in diesem Jahr, denn schon in acht Wochen beginnt hier in Deutschland die CSD-Zeit. Der erste deutsche Pride im Jahr 2018 findet am 05.05.2018 in Potsdam statt, zwei Wochen später geht die Party in Flensburg, Hannover und Greifswald weiter.

Für alle, denen Flensburg und co zu weit ist oder die einfach gerne queere Menschen aus der Magdeburger Szene kennenlernen wollen, empfehle ich den 25.08.2018 im Hinterkopf zu behalten. Im August feiert Magdeburg den Christopher-Street-Day und lädt alle Menschen auf dem LSBTTIQ* Spektrum und deren Verbündete dazu ein.

Weitere CSD-Termine in ganz Europa findet ihr hier.

 

Nun kommen wir zu meinem persönlichen Coming Out der Woche: Felix Jaehn.

Bisher bekannt für seine Remix-Versionen von Hits wie Photograph (Ed Sheeran) oder Cheerleader (Omi) erklärte er in einem aktuellen Interview, in dem er auf seinen neuen Hit “Don’t Say Love” angesprochen wurde: “Ich merkte damals, dass ein Mädchen mehr von mir wollte, […] aber ich wusste, dass ich auch Jungs gut finde. […] Dieser innere Konflikt ließ mich immer wieder vor festen Beziehungen zurückschrecken.”

Die Situation habe er erst einmal mit sich selber ausmachen wollen, bis er schließlich Hilfe in seiner Familie fand. Seine Brüder seien die Ersten gewesen, denen er sich anvertraute. Dadurch habe sich ein Knoten gelöst.

Ich bin in einem kleinen Dorf groß geworden […] wo vorgelebt wurde, dass es nicht normal ist, sich als Junge in Jungs zu verlieben. […] Ein Alptraum!

 

Jetzt träume er davon, einen Menschen zu finden, mit dem er sein Leben teilen könne. Gekrönt hat er das ganze mit dem Regenbogenemoji, den er öffentlich auf seiner Instagramseite gepostet hatte.

Bleibt zu hoffen, dass ihm großartige bi- oder homophobe Anfeindungen ersparen bleiben und er in naher Zukunft auch den Menschen finden kann, mit dem er glücklich wird und der ihn so akzeptiert, wie er ist.

 

Von jung zu alt (oder zumindest ein bisschen älter  😉 ) geht es jetzt nach Hamburg.

Am Mittwoch wurde die Neufassung des Hamburgischen Seniorenmitwirkungsgesetzes beschlossen. In der Neufassung ist nun auch explizit die Anerkennung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt verankert. Diese Ergänzung ist – was leider doch sehr traurig ist – in Deutschland in dieser Form bisher einzigartig.

Kurz zum Hintergrund des Seniorenmitwirkungsgesetzes: Dieses gibt es seit 2012 und regelt die Mitwirkung von älteren Bürger*innen in ehrenamtlichen Bezirksseniorenbeiräten und im Landesseniorenbeirat. Die Anerkennung wurde deswegen veranlasst, damit der “Prozess des Älterwerdens in Würde und ohne Diskriminierung von der Stadt unterstützt werden kann”.

Christiane Blömeke, die seniorenpolitische Sprecherin der Grünen-Bürgerschaftsfraktion erklärt dazu: “Vielfalt ist eine Stärke – auch in der Seniorenmitwirkung! Es ist gut und wichtig, diesen Grundsatz auch mit Blick auf die verschiedenen sexuellen Identitäten älterer Menschen im Seniorenmitwirkungsgesetz zu verankern. Dies ist ein klares Bekenntnis zur gleichberechtigten Teilhabe”

Man kann nur die Daumen drücken, dass auch andere Bundesländer nachziehen und ähnliche Gesetze in ihren Landesverfassungen verankern.

 

Auch auf EU-Ebene tut sich einiges im Bereich LSBTTIQ*-Rechte!

Das Europäische Parlament hat am Donnerstag einen Bericht über die Lage der Grundrechte in der Europäischen Union beschlossen, in der auch Verbesserungen für sexuelle und geschlechtliche Minderheiten gefordert werden.

Klingt jetzt alles erst einmal etwas schwammig, oder?

Dieser Bericht regt an, in den Lehrplänen der Schule eine Maßnahme zur Aufklärung über die Werte der Toleranz aufzunehmen, um Diskriminierung aller Art zu erkennen. Dabei beschränkt man sich nicht nur auf Homo-, Trans- oder Biphobie, sondern auch auf antimuslimische, antiafrikanische oder romafeindliche Äußerungen, die stark zu verurteilen sind. Es wird zudem bedauert, dass ” lesbische, schwule, bi-, trans- und intersexuelle Personen (LGBTI) Mobbing und Belästigung erleben und in unterschiedlichen Bereichen ihres Lebens diskriminiert werden”. Hiergegen muss ganz klar angegangen werden, wobei vor allem eine frühe Aufklärung helfen kann.

Zusätzlich gab es noch zwei weitere Zusatzanträge, um die LSBTTIQ*-Rechte zu stärken: Zum einen wurde ein Antrag beschlossen, durch den Mitgliedsstaaten die Bewegungsfreiheit von gleichgeschlechtlichen Paaren und deren Familien garantieren müssen. Hintergrund des ganzen war die noch nicht überall eingeführte gleichgeschlechtliche Ehe oder eingetragene Partnerschaft. Länder wie z.B Polen oder Kroatien erkannten – beispielsweise in Deutschland geschlossene Partnerschaften – oftmals nicht an, was mit einem Rechteverlust der betroffenen Familien und Eheleute einherging.

Ein weiterer Antrag, dem zugestimmt wurde, war die Verurteilung der sogenannten Konversionstherapie. In Deutschland ist diese Praxis leider bislang noch legal, die Bundesregierung hatte sich bislang geweigert, die oft zwanghafte “Heilung” von Homosexualität zu verbieten.

Da Deutschland seit 2008 umfassende EU-Antidiskriminierungsrichtlinien blockiert, wird es sicherlich noch spannend zu sehen, ob und inwiefern die neuen Anträge auch hier in Deutschland umgesetzt werden.

 

Das wars für diese Woche mit COME IN Weekly.

Bleibt mir alle gesund  🙂 

 

Bis nächste Woche,

Min. 🌈

Dieser Beitrag kann persönliche Meinung des Autors enthalten, die nicht automatisch die Meinung des Jugendtreffs  COME IN sein muss.

COME IN Weekly (KW 08)

Hallo und herzlich Willkommen bei COME INs neuester Rubrik: COME IN Weekly.

Bei Come In Weekly werden euch die neuesten Nachrichten aus der queeren Welt vorgestellt – Damit ihr auch immer schön up-to-date bleibt!

Fangen wir gleich mal mit Nachrichten für die Filmnerds unter euch an:

Bei den diesjährigen BAFTA („British Academy Film Awards“) haben zwei LGBTQ Filme mächtig abgeräumt! In der Kategorie „Bester Fremdsprachiger Film“ gewann „The Handmaiden“ (dt: Die Taschendiebin), während „Call Me By Your Name“ den Award für „Bestes Adaptiertes Drehbuch“ für sich beanspruchte. [1]

Für alle, die jetzt neugierig geworden sind, eine kurze Zusammenfassung der beiden Filme:

[The Handmaiden / Die Taschendiebin]

„Korea in den 1930er Jahren, während der japanischen Besatzung. Das junge Mädchen Sook-hee (Kim Tae-ri) wird als Magd für die japanische Lady Izumi Hideko (Kim Min-hee) eingestellt, die mit ihrem Onkel Kouzuki (Cho Jin-woong) auf einem großen Anwesen auf dem Land lebt. Doch die Magd hat ein Geheimnis, denn sie ist eine Diebin, die dem Schwindler Fujiwara (Ha Jung-woo) dabei helfen soll, die Herrin zu verführen und sie auszurauben.“

[Call Me By Your Name]

„Norditalien, 1983: Familie Perlman verbringt den Sommer in ihrer mondänen Villa. Während der 17 Jahre alte Sohn Elio (Thimotée Chalamet) Bücher liest, klassische Musik hört und keinen Flirt mit seiner Bekannten Marzia (Esther Garrel) auslässt, beschäftigt sich sein Vater (Michael Stuhlbarg), ein emeritierter Professor, mit antiken Statuen. Für den Sommer hat sich der auf griechische und römische Kulturgeschichte spezialisierte Archäologe mit Oliver (Armie Hammer) einen Gast ins Haus geholt, der ihm bei seiner Arbeit zur Seite stehen soll. Der selbstbewusste und attraktive Besucher wirbelt die Gefühle des pubertierenden Elio ganz schön durcheinander. Während sich langsam eine Beziehung zwischen den beiden anbahnt, merkt Elio, dass er trotz seiner Intelligenz und der Bildung, die er dank seinem Vater und seiner Mutter Annella (Amira Casar) genießt, noch einiges über das Leben und die Liebe lernen muss …“

 

Nun zu einem Thema, das viele von uns hier in Deutschland beschäftigt – auch wenn man meinen sollte, mit der Einführung der „Ehe für alle“ 2017 sei das Problem erstmal gegessen – und für Amerikaner*innen wohl immer noch ein Dorn im Auge ist: Die „Homo-Hochzeiten“.

(Oder wie ich es nennen würde: Fuckery, die es so nur in Amerika gibt)

In South Carolina wollen sechs Kongressabgeordnete der republikanischen Mehrheitsfraktion die gleichgeschlechtliche Ehe in „Parodie-Ehe“ umbenennen lassen. Sinn des ganzen ist es, queere Ehe praktisch zu annullieren. Ehen, die nicht zwischen Mann und Frau geschlossen werden, werden damit nicht mehr anerkannt. Auch sollen Antidiskriminierungsgesetze verboten werden.

Warum das ganze? Nun, in South Carolina ist man offenbar der Meinung, dass man mit „Homo-Ehen“ die armen, armen Kinder versaut und dass es vor der Eheöffnung 2015 gar keinen Bedarf für gleichgeschlechtliche Ehen gegeben hätte; dafür aber religiöse Menschen vermehrt für ihre Meinung verfolgt worden wären. [2]

Verquere Welt? In Amerika offenbar Alltag.

Da könnten sich die Amerikaner*innen doch eigentlich mal was von uns abschauen, wenn es um das Thema „öffentliche Akzeptanz“ geht.

In Braunschweig nämlich wird für ganze drei Monate die „Regenbogenbahn“ durch die Stadt düsen und mit Slogans wie „Ich bin schwul“ oder „Ich bin genauso Mensch wie du“ für die Vielfalt und Akzeptanz von lesbischen, schwulen und trans* Menschen werben. Das Projekt soll eine Diskussion anzuregen, da viele Menschen – die sich nicht näher mit dem Thema beschäftigen – häufig nicht wissen, was es heißt, nicht-hetero oder nicht-cis zu sein. Vieles sei unklar, über vieles wird nicht gesprochen, so Birgit Sobiech, die das Wagendesign entworfen hat.

Falls ihr also demnächst mal in Braunschweig seid und die Regenbogenbahn seht, dann schießt doch ein Foto und taggt es auf Twitter oder Instagram mit #QueerInBS – Der*Die Gewinner*in kann im Rahmen eines Fotowettbewerbs einen Reisegutschein im Wert von 250 Euro gewinnen. [3]

 

Und wenn wir schon beim Thema Akzeptanz in der Öffentlichkeit sind …

Wie einige vielleicht mitgekriegt haben, hat Berlin eine Broschüre für (pädagogische) Fachkräfte herausgegeben, die sich mit der frühpädagogischen LGBTQ-Aufklärung auseinandersetzt.

 Die Bild betitelt die Aufklärungsarbeit als „Sex-Broschüre für Berliner Kita-Kinder“, die CDU fordert den Verteilungsstopp, während die AfD die Broschüre mit dem etwas zu lang geratenen Namen „Murat spielt Prinzessin, Alex hat zwei Mütter und Sophie heißt jetzt Ben“ als Kindesmissbrauch, der „kranken Hirnen mit pädophilen Hintergedanken entsprungen zu sein scheint“ bezeichnet.

Überraschenderweise hat sich nun jedoch der Landesverband der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) zu Wort gemeldet und entgegen der herrschenden Meinung der Parteikolleg*innen eine doch relativ klare Meinung vertreten: Die Handreichung ist „professionell aufgearbeitet und der Zielgruppe der Pädagogen vollkommen angemessen“. [4]

Tja, und Wasser ist nass, nicht wahr?

Für alle Interessierten in Sachsen-Anhalt: An einer ähnlichen Aufklärungskampagne sitzt momentan auch das Kompetenzzentrum für geschlechtergerechte Kinder- und Jugendhilfe (KgKJH) hier in Magdeburg. Ab April soll das Konzept für einen KiTa-Koffer bearbeitet werden, um es dann in den verschiedenen Einrichtungen vor Ort vorzustellen.

Solltet ihr aber nicht so lange warten wollen, gibt es die Berliner Broschüre auch als PDF zu downloaden, da die handliche Erstauflage von 2000 Exemplaren mittlerweile vergriffen ist.

 

Bis nächste Woche,

Min. 🌈

Dieser Beitrag kann persönliche Meinung des Autors enthalten, die nicht automatisch die Meinung des Jugendtreffs  COME IN sein muss.